Eine Schulung ist absolviert. Doch wird das Gelernte auch angewendet, wenn es darauf ankommt? Das gemeinsame Webinar „Smart Learning | Spielerisch Lernen in Simulationen Live und Remote“ des Instituts Internal Audit Austria (IIA) und des Österreichischen Compliance Officer Verbunds (ÖCOV) am 17. September 2026 – initiiert vom Leiter des IIA Austria Think Tank IDI, Mag. Stefan Schüttelkopf, MSc. und der Leiterin der ÖCOV AG Süd, Mag. Dr. Iris Čurman, – zeigte, wie Simulationen Revisions- und Compliance-Themen in konkrete Entscheidungssituationen übersetzen können.
Für die Interne Revision und die Compliance-Funktion ist der Unterschied wesentlich: Eine absolvierte Schulung belegt zunächst die Teilnahme, aber noch nicht, ob die Schulungsteilnehmer*innen z.B. einen Interessenkonflikt erkennen, eine ungewöhnliche Zahlungsaufforderung hinterfragen oder eine Kontrolle in der Praxis richtig beurteilen. Im Webinar wurde deshalb wiederholt der Transfer vom Wissen zum Handeln betont. Simulationen können dafür einen geschützten Rahmen bieten: Teilnehmende treffen Entscheidungen, sehen deren Folgen und besprechen anschließend, was sie in einer vergleichbaren Arbeitssituation tun würden.
Digital und flexibel: Dr. Dominik Förschler, Managing Director ARC Institute, stellte Beispiele gamifizierter Lernformate vor. Dazu gehörte „Fit4IT Audit for Business Auditors“, ein Training, das kaufmännischen Revisor*innen IT-bezogene Prüfungsthemen näherbringen soll. Die gezeigten Inhalte reichten von IT-Governance und Berechtigungen bis zu IT-Risiken, Compliance und Business Continuity. Ein weiteres Beispiel war ein Verhandlungssimulator, in dem Lernende Entscheidungen innerhalb einer historischen Spielhandlung treffen. Gemeinsam ist diesen Formaten, dass Inhalte nicht nur präsentiert, sondern in Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten eingebettet werden.
Haptisch und im Team: Dr. Michael Nuster, Mitgründer und Geschäftsführer Ontegrity, zeigte einen anderen Ansatz: mobile, an Escape Games angelehnte Spielesets für Compliance-Trainings. Teams bearbeiten darin Fälle, suchen Hinweise und lösen Aufgaben anhand zuvor bereitgestellter Informationen. Als mögliche Themen nannte er unter anderem Interessenkonflikte, Korruption und Datenschutz. Entscheidend sei nicht allein, ob ein Rätsel gelöst wird. Die Teilnehmenden sollen ihre Entscheidungen begründen und im anschließenden Debriefing besprechen, welche Regeln für die eigene Organisation und den Arbeitsalltag relevant sind.
Wie unmittelbar ein solches Format eine Diskussion auslösen kann, zeigte eine kurze Übung im Webinar: Nach der Veröffentlichung eines Berichts meldet sich vermeintlich der Finanzvorstand telefonisch mit einer dringenden Zahlungsaufforderung. In der Auswertung ging es nicht bloß um die richtige Antwort, sondern um den Grund für die Entscheidung. Als verlässlichere Rückversicherung wurde der Rückruf über eine bereits verbindlich hinterlegte Nummer und somit die Einhaltung des intern festgelegten Prozesses besprochen, statt sich allein auf Stimme oder Bild zu verlassen. Das Beispiel machte sichtbar, wie sich eine Sicherheitsregel in eine konkrete Handlungsentscheidung übersetzen lässt.
Auch die Fragen aus dem Publikum waren praxisnah: Wie lässt sich ein Verhaltenskodex als Simulation vermitteln? Welcher Aufwand entsteht bei der Anpassung an ein Unternehmen? Welche Rolle spielen Kosten, Sprachen und unterschiedliche Vorerfahrungen der Beschäftigten? Als weitere mögliche Szenarien wurden unter anderem Geschenke und Einladungen, Interessenkonflikte bei Beschaffungen sowie Risk Assessments genannt. Die Diskussion zeigte zugleich eine Grenze auf: Je detaillierter eine Regelung vermittelt werden muss, desto anspruchsvoller kann es sein, sämtliche Einzelheiten in eine überzeugende Spielhandlung einzubauen.
Der wichtigste Impuls für die Praxis: Das Spiel ist nicht das Ziel, sondern ein Mittel, um Aufmerksamkeit, Auseinandersetzung und Anwendung zu fördern. Wer ein solches Training plant, sollte daher vom gewünschten Verhalten ausgehen: Welche Situation sollen Beschäftigte künftig erkennen? Welche Entscheidung sollen sie treffen oder begründen können? Im Webinar wurde dafür eine Lernkette aus Vorbereitung, Simulation, Debriefing und anschließender Kommunikation beschrieben. Für Revision und Compliance ist besonders der letzte Schritt interessant: Nicht nur die Teilnahme, sondern auch der Transfer in den Arbeitsalltag verdient Aufmerksamkeit.
Das Webinar hinterließ damit eine klare Anregung für beide Berufsgruppen: Wirksame Schulungen enden nicht mit einem bestandenen Wissenstest. Ihr Wert zeigt sich dort, wo Menschen Regeln verstehen, Handlungsalternativen abwägen und in einer konkreten Situation begründet entscheiden können.